Biotop Mittelwald

Lichte Stellen am Boden im Mosaik mit dichtem Unterwuchs und darüber die breiten Kronen der Überhälter erzeugen ein urwaldartiges Bild. Sie bieten vielen Arten einen Lebensraum, der ihren Bedürfnissen entspricht. So benötigen viele Schmetterlingsarten lichte Waldbereiche, die für Licht und Wärme sorgen und damit auch den Reichtum an Nektar- und Raupenpflanzen erhöhen. Auch zahlreiche Vogel- und Fledermausarten sind auf den Strukturreichtum angewiesen.

 

 

 

Entstehung des Mittelwaldes

Im "Niederwald" schlug man das Unterholz im Abstand etwa 20 Jahren als Brennholz ein. Heute bewirtschaftet man Wald vorwiegend als "Hochwald", dessen Bäume deutlich länger stehen. Ziel ist vor allem die Erzeugung von Schnittholz. Der Mittelwald ist "praktisch ein Niederwald, bei dem man immer einzelne, besonders gute Stämme – meist Eichen – älter werden lässt und erst nach Erreichen eines nutzholzfähigen Durchmessers erntet" (Heinrich Cotta: Anweisung zu Waldbau, Dresden 1817). Man nutzte im Mittelwald nicht nur das Holz, sondern trieb in ihn auch zeitweise Vieh - vor allem Schweine - ein. Mitunter betrieb man nach dem Einschlag des Unterwuchses ein bis zwei Jahre Ackerbau.

 

Gegenwart des Mittelwaldes

In den Wäldern um Iphofen werden Mittelwälder bis heute traditionell genutzt. Die Nutzung ist unterschiedlich geregelt.

  • Auf einem Teil der Flächen wird das Unterholz an "Selbstwerber" verkauft.
  • Einige Waldflächen in den Stadteilen Iphofens sind Eigentum von Rechtlergemeinschaften, die die Bewirtschaftung eigenverantwortlich organisieren.
  • Im Iphöfer Stadtwald gelten unverändert die Regeln des 18. Jahrhunderts: Bürger, die innerhalb der Stadtmauern wohnen und eine Feuerstelle haben, haben das Recht,  das Unterholz einer zugeloste "Laube" zu nutzen. Das folgende Bild zeigt die Einweisung der Rechtler mit Erklärung der Laubeneinteilung und der verwendeten Begriffe ("Untergang", "Lattstorn", Maß in "Gert" und "Quadratrute") am 12.11.2011.

Einweisung in die Laubennutzung

Flora und Fauna

Meist bilden Traubeneiche (Quercus petrea) und Stieleiche (Quercus robur) das obere Stockwerk und die Hainbuche (Carpinus betulus) das darunter liegende. Daneben finden sich seltene Baumarten wie Elsbeere (Sorbus torminalis), Speierling (Sorbus domestica) und Wildbirne (Pyrus pyraster).

 

 Wildbirne mit Hornisse

 

Bedeutung für Europa

Die Waldgebiete des südlichen Steigerwaldes gehören zu den Vorranggebieten für den Schmetterlingsschutz in Europa und gelten als einer der hervorragendsten Schmetterlings-Großräume in Deutschland. Von den seltenen bunten Tagschmetterlingen waren Heckenwollafter und Spanische Flagge im Gebiet früher weit verbreitet. Unter den Vögeln nutzt unter anderem der europaweit besonders geschützte Halsbandschnäpper die lichten Waldbereiche als Jagdgebiet. Der Mittelspecht findet sich in großer Zahl in den Wäldern.

Literatur

Hintergrundinformationen und Hinweise auf weitere Mittelwälder finden sich bei:

Renate Bärnthol: Nieder- und Mittelwald in Franken. Waldwirtschaftsformen aus dem Mittelalter. Bad Windsheim 2003.

Das ansprechende Buch (152 Seiten) ist über das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim zu beziehen, Schutzgebühr 5 €.